Offener Brief an meinen Supermarkt.

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Lieber Jingkelong Supermarket.
Nun haben wir zusammengerechnet doch schon eine ganze Weile miteinander verbracht, und ich finde, es ist an der Zeit, unsere nachbarschaftliche Beziehung auf ein neues Level zu heben. Dazu gehört auch Offenheit.

Generell kommen wird gut klar, aber ich finde, es gibt da so ein paar Dinge, an denen wir arbeiten könnten.

– BELÜFTUNG. Du bist der einzige Supermarkt dieser Welt, bei dem die Luft im Eingangsbereich deutlich schlechter ist als in den hinterletzten Ecken deines Universums. Wie machst du das?

– WEINBERATUNG. Mein Chinesisch mag recht obskur sein, aber Englisch kann ich. Wenn beim Einkauf ständig jemand neben mir herläuft, der mir alle Texte auf den wenigen Weinflaschen im Sortiment vorliest, ist das also vergeudete Liebesmüh. Außerdem kann ich Zuckerpansch in jeder Sprache der Welt erkennen, also sei gewarnt.

– JINGLES. Euer Jingle ist toll, vor allem der Übergang von dem schreienden Kind (Mama, mama, give some of that great product over there!) zu dem Western-Song ist brilliant. Man fühlt sich gleich wie im Apalachen-Zelt und kauft sicher auch ein paar Western-Chips. Aber nach einem Monat frage ich mich nun doch: Habt ihr nicht noch einen zweiten Werbesong auf Lager? Das muss ja wie Gehirnwäsche sein für die Angestellten. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand das schreiende Kind ermorden wird.

– JIAOZI. Ja, ich möchte nur sechs Stücke, nicht zwölf. Ich bin keine vierköpfige Familie, auch wenn ich aus Europa komme. Danke.

– KARTEN. Nein, ich habe noch immer keine Jingkelong-Mitgliedskarte. Ich weiß, es ist unverständlich, aber es wird wohl auch so bleiben. Und nein, ich kann nicht mit WeChat bezahlen, so gerne ich es auch wollte. Und nein, ich brauche keine Plastiktüten, denn ich habe wie immer unverständlicherweise diese riesige Einkaufstasche hier dabei.

– BIER. Die deutschen Biersorten, die ihr verkauft, gibt es in Deutschland gar nicht. Aber sie schmecken okay, von daher: Greift nur zu beim Apostel-Hilf-Bräu in der 2-Liter-Dose.

– TOMATE. Neben der Erdbeere zu finden? Verstehe ich immer noch nicht.

– WERTSCHÄTZUNG: Ja, mein Mandarin ist echt schlecht und ihr habt es alle eilig. Bitte boxt mich aber an der Teigwaren-Theke nur noch in die Seite, wenn ich aus Versehen sage „Der Atomkrieg ist ausgebrochen“ statt „Noch zwei von denen links da“. Ich gebe mir ja schon Mühe.

– GETROCKNETE ERDBEEREN. Bisschen Lob muss auch sein: Eure getrockneten Erdbeeren sind toll. Besonders die mit ganz ganz vielen Giftstoffen und Geschmacksverstärkern drin.

– SOJA-SOSSE: Mal ganz ehrlich, so viele Sorten kann es doch gar nicht geben. Wo wir uns nun schon so gut kennen, verrate mir doch mal: Was steht wirklich in dem Regal?

Mit herzlichen Grüßen,
deine Tuanjiehu-Nachbarin
ULRIKE

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Andere Einkaufsmöglichkeiten im Umfeld.

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