Alltag.

Es ist soweit. Mein Chinesisch ist endlich gut genug, um richtige Missverständnisse zu produzieren.

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Sanlitun, Beijing.

Während bei meinen früheren China-Reisen fast alle meine Versuche, jemand in eine längere Diskussion zu verwickeln, mit “没有“ beendet wurden (sehr verwandt dem bei deutschen Bühnenarbeitern gebräuchlichen „Gibt’s nicht“), sind die Leute nun eher bereit, mir ein, zwei Sätze lang zuzuhören.

Auch meine Bestellfähigkeiten werden besser. Das allererste Essen, was ich jemals in China bestellt habe, bestand noch aus Huhn, Huhn und Huhn (und zwar aus den Teilen eines Huhnes, die ich sonst nicht so wahnsinnig oft esse). Dagegen sah unsere 火锅 (Feuertopf)-Zusammenstellung vorgestern schon recht sinnvoll aus. Es gab sogar ein paar Nudeln und Kohlblätter für den Vegetarier unter den Anwesenden.

Mir ist es auch gelungen, ohne Internet und Telefon eine Bar zu finden, die vor einer Weile umgezogen ist, während ich leider nur die alte Adresse hatte. Hierbei waren der Schlüssel zum Erfolg der nicht sonderlich vielbeschäftigte Sicherheitsoffizier der Botschaft von Samoa und eine nette Dame aus Hongkong, die mir in einem einschlägigen Irish Pub eine kleine Karte zeichnete, die mich (zwei Stunden später) direkt zum Ziel führte.

Im Tuanjiehu-Park musste ich mich letztens allerdings geschlagen geben.

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Tuanjiehu-Park, Beijing.

Dass die netten jungen Damen und Herren mir irgendwas verkaufen wollten, war mir schon klar, als sie auf mich zukamen und sich erkundigten, ob ich denn hier in der Gegend wohnen würde. Eine Frage, die mir immer wieder auch die anderen Mieter in meinem Apartment-Block stellen, wenn sie mich zufällig im Lift treffen. Im Gegensatz zu den anderen Mietern, denen es meist darum geht, ihre Englischkenntnisse anzuwenden, legte es diese Truppe aber überhaupt nicht darauf an, in eine andere Sprache zu wechseln.

Nach einer Weile hatten wir uns dann soweit verständigt, dass sie mir etwas verkaufen wollten, was in Zusammenhang mit einem öffentlichen Auftritt steht. Und mit Schminke.

Ich schloß daraus, dass sie wohl Clowns sind, die mir Tickets für ihre Aufführung andrehen wollen. Eine Interpretation, auf die wirklich nur jemand kommen kann, der vom Theaterfach ist und niemals (nicht mal beim Friseur) Frauenzeitschriften liest.

Denn in Wahrheit wollten sie bloß, dass ich ein Jahresabo für den benachbarten Kosmetik-Salon erwerbe. Sie dachten wohl, ich bräuchte mal dringend eine Rundum-Erneuerung.

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In den Hutongs in der Gegend von Nanluoguo Xiang.

Ein Missverständnis anderer Natur führt dazu, dass derzeit noch mehr Menschen in Beijing Gesichtsmasken tragen als sonst. Und nein, es ist nicht der Smog. Es ist Schnee. Schnee in Form von sehr großen, weißen Pollen, die wirklich überall hineinzukriechen scheinen. Wenn sie nicht gerade in der Luft schweben.

Und dieses Phänomen ist angeblich komplett „menschgemacht“. Die gängige Theorie besagt, die Partei hätte irgendwann im 20. Jahrhundert beschlossen, die Luftqualität durch die gezielte Ansiedlung von Pappeln und Weiden zu verbessern. Ein durchaus sinnvolles Anliegen.

Leider hat der Zuständige aber nicht darauf geachtet, ein richtiges Verhältnis von männlichen und weiblichen Exemplaren herzustellen. Wodurch es nun um diese Jahreszeit in Beijing eben immer schneit. Und zwar massiv.

Ob diese Theorie stimmt, vermag ich leider nicht zu sagen – aber der Schnee ist echt, so viel steht fest. Jetzt gerade schneit es sogar in meiner Wohnung, denn die Fenster sind offen. Ich glaube, ich mache sie mal zu.

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Pollen-Alarm.

 

 

 

 

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