Ankunft Beijing.

Das Ende der Schlange ist nicht mehr hinten.

Und das ist gut so, denn so weiß ich wenigstens, dass ich wieder in China bin.

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Beijing Hutong.

Es ist vier Uhr morgens, ich habe zwei Air Asia-Nachtflüge hinter mir (ein Ryan-Air-Flug mit Zwangs-Übernachtung, gewissermaßen) plus einen Zwischenstopp in Kuala Lumpur. Deshalb bin ich mir nicht so hundertprozentig sicher, wo ich eigentlich gerade bin.

Bis mir eine etwa ein Meter fünfzig große und um die achtzig Jahre junge Dame von schräg rechts unten ihren Ellenbogen in den Unterleib rammt. Und dann mit der Selbstverständlichkeit einer Diplomatenkarosse durch das Meer an müden Menschen steuert, um sich ganz vorne in der Schlange wieder einzureihen.

Guten Morgen, Beijing.

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Tuanjiehu U-Bahn-Station.

Etwa um halb zehn komme ich nach einigen Wirrungen um einen vertauschten Schlüssel dann endlich auch in der Wohnung an. Und bin recht erstaunt, wie wenig sich die Nachbarschaft in Tuanjiehu verändert hat. In einer Stadt, in der Veränderung eigentlich das Mass aller Dinge ist. Veränderung und die Kunst der Logistik.

Beijing ist eine Flächenstadt; wenn man rechtzeitig von Termin A zu Termin B kommen will, muss man manchmal schon wissen, wie. Und das ein bisschen planen.

Natürlich gibt es für all das inzwischen Apps, aber am Ende einer App steht ja manchmal leider auch ein Mensch, und das kann in diesem Fall ein Taxifahrer sein, der erwartet, dass man seinen Aufenthaltsort auch in korrektem Mandarin eingegeben hat. Und dass man danach immer am Telefon hängt, um das Annähern des Taxis Schritt für Schritt zu verfolgen.

Für die meisten Ortsansässigen ist das kein Problem, sie sind sowieso 24 Stunden am Tag auf WECHAT.  Selbst wenn Facebook hier frei zugänglich wäre – richtig brauchen würde es vermutlich niemand. WECHAT informiert, tratscht und organisiert rund um die Uhr und ist ein unablässiges Werkzeug, um die logistischen Herausforderungen des Alltags zu meistern. Plus/minus der organisatorischen Talente, die die Beteiligten eines Gruppen-Chats selbst so in den Feed einspeisen, wohlgemerkt.

Der Makel Mensch. Da haben wir’s wieder.

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Eingang zu einem traditionellen Hutong.

Mein holpriges Chinesisch ist leider auch alles andere als makellos.

Und da ich außerdem weder gerne shoppe noch Frauenzeitschriften lese (die vermutlich heute ohnehin ganz anders heißen), ist es verständlich, dass ich beim Ausruhen auf der Parkbank noch fünf Minuten nach Beginn des Gesprächs überzeugt bin, mich mit einer Gruppe Clowns zu unterhalten, die mir eine Zirkusvorstellung andrehen wollen, während es sich in Wahrheit um Visagisten handelt, die wohl der Ansicht waren, dass mein vom Flug zerknittertes Gesicht dringend eine Rundum-Erneuerung benötigt.

Ich fürchte, beim nächsten Air Asia-Flug werde ich wohl bisschen im Bordmagazin stöbern müssen, um mein kosmetisches Vokabular etwas aufzubessern.

Dann klappt’s sicher auch im Park.

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Ausflugsboot-Rush-Hour am Beihai-See.

 

 

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