Sri Lanka.

Beim Start spielt die Airline das übliche Sicherheitsvideo ab. Zusätzlich erfährt man, dass Trommeln bitte unter dem Vordersitz zu verstauen sind und das ausklappbare Tablett kein Percussion-Instrument darstellt.

Was zunächst einfach nur charmant klingt, erweist sich schon wenig später als essentielle Information. Die Trommeln, das Singen, jede Art von Musik sind aus dem Alltag in Sri Lanka nicht wegzudenken. Und manchmal (wenn gerade kein Übersetzer da ist oder wir anderweitig an Sprachgrenzen stoßen) ist die Musik auch der beste Brückenbauer.

Das bekommen wir schon beim ersten Kennenlern-Treffen mit den Workshop-Teilnehmern eindrücklich bewiesen, denn unter ihnen ist kaum jemand, der nicht mit spontanen musikalischen Einlagen begeistern könnte – und das auch tut.

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Das Institute of Sinhala Culture in Colombo.

Ich bin nach Sri Lanka gekommen, um zusammen mit einer Kollegin von den Philippinen einen Theater-Workshop zu geben. Sightseeing und Baden stehen also erstmal nicht auf dem Programm.

Aber das macht nichts: Die Teilnehmer und an der Durchführung Beteiligten des Institute of Sinhala Culture und des National Theatre Institute sind allesamt bezaubernd und retten uns mit ihrem Enthusiasmus auch durch die heißesten Phasen des Tages. Und diese Phasen sind manchmal SEHR heiß, gefühlt steigen die Temperaturen annähernd auf die Zahl der Teilnehmer (die bei etwas über fünfzig liegt). Nach dem Aufwärmen sind alle schweißgebadet, und gegen Nachmittag hat man das Gefühl, dass der Staub in der Luft brennt.

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Beim Theater-Workshop mit Dessa Quesada-Palm und etwa einem Drittel der Teilnehmer.

Das beeinträchtigt die Laune der Menschen aber kein bisschen. Sie scheinen immer ein Lächeln übrig zu haben. Und finden sehr pragmatische Lösungen für Probleme, die in Europa einen ganzen Rattenschwanz an Bürokratie hinter sich herziehen würden.

Die Dame in dem senfgelben Sari und mit dem unfassbar britischen Akzent, die an einem Morgen ohne große Umschweife meine Kreditkarte aus dem Geldautomaten befreit, in den sie fälschlicherweise in den Abendstunden geraten ist, zuckt auf meine Dankesbekundungen hin nur lächelnd die Achseln und sagt:

„You know, this is a tropical country.“

Ob damit schon alles gesagt ist, sei mal dahingestellt.

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Im Zentrum von Colombo. Tradition und Moderne.

Überhaupt Frauen. Im Workshop gibt es einen starken Überhang an Männern, was die Ortsansässigen damit erklären, dass die Familien die jungen Frauen abends nicht gerne alleine zu Theaterveranstaltungen oder Proben gehen lassen. Belästigungen sind zwar sicher nicht die Regel, kommen aber doch vor.

Und die Familien wachen streng über den weiblichen Nachwuchs. Das reicht bis zu den Hochzeitsplänen – was sich durchaus auch im Stadtbild spiegelt. So eine Dichte an Brautläden habe ich, glaube ich, noch nirgendwo gesehen.

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Verkehr und Bräute.

Im Workshop selbst gehen Frauen und Männer aber sehr entspannt miteinander um, es scheint keinerlei Berührungsängste zu geben, auch wenn es manchmal sehr physisch wird. Für die Abschlusspräsentation bilden wir Kleingruppen und versuchen dabei, die Altersgruppen etwas zu mischen, wodurch eine Gruppe mit nur einer Frau und sieben Männern entsteht. Wir sind uns nicht sicher, ob der Frau das vielleicht unangenehm ist, aber als wir nach draußen zur Freiluftbühne kommen, um mal nachzuschauen, ist sie gerade dabei, die sieben folgsamen Männer mit Nachdruck zu inszenieren.

Sehr beeindruckt hat mich auch eine recht ungünstig fast mitten auf der Straße parkende Dame, die dem heran eilenden, schimpfenden Polizisten mit einer Geste zu verstehen gibt, dass seine Dienste jetzt hier gerade wirklich nicht benötigt werden.

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Proben auf der Außenbühne.

Ein richtig gut funktionierendes öffentliches Verkehrssystem gibt es in Colombo nicht, nur einige Busse. Ansonsten vertrauen alle auf die unzähligen motorisierten Tri-Shaws, auf Mopeds, Fahrräder oder eben ihr Privatauto. Wodurch die Hauptadern im Straßennetz regelmässig verstopfen, nicht nur in der Rush-Hour. Und die Sonne brennt und brennt, was die Sehnsucht nach einem eigenen Auto mit Klimaanlage irgendwie verständlich macht.

Nach Abschluss des Workshops bleiben noch zwei Tage für schnelles Sightseeing: Ein Tag Colombo selbst, ein Tag mit Übernachtung im Inland, in der Nähe des berühmten Felsens Sigiriya. In der Lodge im Dschungel beäugen kleine Affen unser Frühstück (Roti, Fischcurry und Coconut Sambal), Elefanten tauchen allerdings keine auf. Was den mitreisenden Singhalesen auch lieber zu sein scheint  – sie haben eindeutig Respekt vor den großen Tieren.

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Am Galle Face Green in Colombo.

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Nicht nur Coconut Sambal hat es mir angetan. Eigentlich wird mir die ganze Reise als ein nicht enden wollender Strom von unfassbar leckeren Speisen in Erinnerungen bleiben. Viele davon sehr süß, was normalerweise eigentlich gar nicht so mein Ding ist. Nicht zu vergessen das Obst und die Fruchtsäfte. Und der täglich beim Tea Break von „Uncle Peter“, dem Helfer im Sinhala Institute of Culture, zubereitete Ceylon-Tee natürlich.

Neben Süßspeisen ist aber noch etwas anderes in Sri Lanka sehr beliebt: Fotos. Ich glaube nicht, dass jemals eine meiner beruflichen oder privaten Aktivitäten so flächendeckend dokumentiert wurde. Was mir die Erkenntnis beschert hat, dass Makeup und Frisuren, die nach sechs Stunden Workshop bei tropischen Temperaturen noch immer sitzen, offenbar erst noch erfunden werden müssen. Und dass wir Nordeuropäer zu sehr roten Gesichtern neigen, wenn wir zu viel schwitzen. Das könnte die Evolution eigentlich mal abschaffen.

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Der „Golden Temple“ im Inland mit Kindern in Schuluniform.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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