Archiv für den Monat Oktober 2015

Unterwegs. 在路上。

In einer chinesischen Großstadt besteht der Tag – wie in den vergleichsweise wenigen Großstädten Europas auch – im Wesentlichen aus einem: dem Pendeln. Man pendelt von der Wohnung zur Arbeit, von Campus A zu Campus B, von der Stadtmitte zur anderen Seite des Yangtze, von einem mittäglichen Geschäftsessen zurück ins Büro, von der Schule des Kindes zum abendlichen Englisch-Kurs – oder einfach irgendwohin, um Freunde und Familienangehörige zu treffen.

Das U-Bahn-Netz in Nanjing ist schon recht stattlich und wird immer weiter ausgebaut. Trotzdem ballen sich die Menschenmassen nach wie vor, besonders an den Umsteige-Stationen im Zentrum. Manchmal müssen die Bewegungen des unaufhaltsamen Menschenstroms sogar von Sicherheitsangestellten in Uniform geregelt werden, ein bisschen wie auf einer Kreuzung mit ausgefallener Ampel.

Nanjing subway system - or what's been built so far.

Nanjing subway system (so far).

Um von der Station Zhujianglu (珠江路), in deren Nähe ich wohne, zum Fremdspracheninstitut auf dem Xianlin- Campus (仙林校区) zu kommen, brauche ich etwa eine Stunde mit Umsteigen und Fußweg auf dem Campus. Viele der Studenten sind dort lieber mit dem Fahrrad unterwegs, viele der Dozenten mit dem Auto. Nur die kleinen Campus-Transporter erfreuen sich irgendwie keiner großen Beliebtheit. Vermutlich, weil sie extra kosten und die Wege dann SO weit doch auch wieder nicht sind.

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The institute for foreign languages (English, French, German, Russian and Corean on offer) - and the intimidating library on Xianlin campus.

The Institute of Foreign Languages (English, French, German, Russian, Japanese and Corean on offer) – and the intimidating library on Xianlin campus.

Zwischen dem Innenstadtcampus und Xianlin gibt es auch ein Bus-Shuttle-System. Das geht etwas schneller als mit der U-Bahn und erspart einem dem morgendlichen Spaß beim Umsteigen in Xinjiekou (新街口), der Station unter dem zentralen Platz Nanjings mit der darauf thronenden Statue von Sun Yat-Sen.  Nach 中山 ist in dieser Stadt, die immerhin die Hauptstadt der chinesischen Republik des frühen 20. Jahrhunderts war, auch heute noch so einiges benannt.

Bei anderen Zielen wird es allerdings schon schwieriger. Die „linke“ Yangtze-Seite ist, was das U-Bahn-Netz betrifft, bei Weitem nicht so gut erschlossen, und so rollen die Busse nach wie vor über die gigantischen Yangtze-Brücken, manchmal mehrere derselben Linie gleichzeitig (die Brücken sind etwa vier Kilometer lang, da kann das schon mal passieren). Unter den Brücke, oft genug im Smog verborgen, fließt der ebenso gigantische Fluß, den man noch bis in die 70er Jahre nur mit Fähren überqueren konnte.

The Yangtze river from above.

The Yangtze river from above.

Eine solche Fahrt kann durchaus eine Stunde oder länger dauern, denn im Gegensatz zu Deutschland warten wirklich an jeder Haltestelle Passagiere. Und natürlich gibt es auch Stau.

Auf der anderen Flußseite fährt man dann entlang an unzähligen, neu aus dem Boden gestampften Häuserblocks, an den Schuttebenen gerade erst abgerissener einfacher Wohn- und Gewerbeviertel – und an vielen Autosalons, wie mein studentischer Begleiter anmerkt. „Die Leute kaufen hier die Luxusautos, mit denen sie dann auf der anderen Seite herumfahren.“ Ganz Unrecht hat er nicht, die andere Seite wirkt durchaus etwas prosperierender, etwas besser erschlossen. Sogar etwas „internationaler“, im kleinen Rahmen. Bei unserem Ausflug auf der linken Flußseite treffe ich jedenfalls nicht auf einen einzigen anderen Ausländer.

Irgendwann verändert sich die Landschaft dann allerdings wieder, es wird grün und hüglig. Wir nähern uns dem „Lao Shan National Forest Park“ – oder zumindest seinen Ausläufern. Und damit auch den Villenvierteln der Superreichen, die wie Kunst- oder Märchenwelten aussehen, der Phantasie eines Louis XIV oder eines Medici entsprungen.

In der „Nachbarschaft“ (noch mal ein paar Kilometer zu Fuß von der Endhaltestelle hinauf in die Ausläufer der Berge) befindet sich auch das neugebaute Sifang Art Museum (四方当代美术馆), das gerade eine Ausstellung zeitgenössicher italienischer Künstler beherbergt. Und hier ist wirklich NIEMAND, was sehr ungewöhnlich ist für China. Wir sind die einzigen Gäste (des Tages? der Woche?) und die anwesenden Angestellten kümmern sich rührend um uns. Fast alles außer dem Museumsgebäude selbst ist noch im Bau, das Hotel und das Konferenzzentrum stehen (noch?) leer und der künstliche See ist nur zu einem Drittel mit Wasser gefüllt, vermutlich der Regen der letzten Tage.

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Otherworldly: The Sifang Art Museum and "Gated Living" on the other side of the Yangtze.

Otherworldly: The Sifang Art Museum and Gated Living on the „other“ side of the Yangtze.

Also wieder zurück zu Fuß und mit dem Bus in die Stadtmitte, bevor die Rush-Hour einsetzt und der Verkehr erstmal stillsteht. Falls gar nichts mehr geht, gibt es allerdings auch einige Orte, die zum Verweilen einladen. Und zum Schlafen. Letzteres versteht man gut, wenn man den Pendelrhythmus einer chinesischen Stadt eine Weile beobachtet hat.

Ein bei den Chinesen besonders beliebter Ort zum Dösen sind die Filialen von „Costa Coffee“ und „Starbucks“ – eindeutig die beiden Platzhirsche der internationalen Kaffeebranche vor Ort. Beliebter bei den Ausländern (老外) hingegen ist die vergleichsweise kleine chinesische Kette der „Sculpting in time“-Cafés, vielleicht wegen des westlichen Sofa-Interieurs und der oft schönen Lage. Hier gibt es auch westliches Essen, falls man mal ohne Stäbchen essen möchte. Ob das Essen schmeckt, kann ich allerdings nicht sagen, ich habe es bisher noch nicht probiert. Der Kaffee ist gut und genauso unsinnig teuer wie überall in China (was viele Chinesen aber nicht davon abhält, ihn zu trinken).

Ein Verweilort, der mir persönlich besonders gut gefällt, ist die „Avantgarde“-Buchhandlung. Ein riesiges Buch-, Lese-, Postkarten- und Papierwaren-Areal mit Cafébereichen, in dem auch Lesungen und andere Veranstaltungen stattfinden. Die Buchhandlung liegt in einem der ehemals für Olympia hochgezogenen Gebäude – deswegen hat sie auch mitten im Geschäft eine Parkhausauffahrt vorzuweisen.

Auch hier verbringt so manch einer dösend die Mittagspause oder eine längere Wartezeit. Die Betreiber scheinen nichts dagegen einzuwenden zu haben – und ich kann’s auch gut verstehen.

"Avantgarde" book shop in Nanjing.

„Avantgarde“ book shop in Nanjing.

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Suzhou. 苏州.

Auf Einladung der Universität Suzhou habe ich meinen kleinen Einführungsvortrag über die deutsche Theaterlandschaft auch vor der dortigen Germanistik-Abteilung gehalten – was mir ein paar unverhoffte Tage in der berühmten Stadt der Kanäle und Gärten eingebracht hat.

Announcement of my lecture and seminars at Nanjing university, glooming in the dark.

Announcement of my lecture and seminars at Nanjing university, glooming in the dark.

Die Zugfahrt von Nanjing nach Suzhou dauert nicht lange, nicht mal 1 1/2 Stunden mit dem Schnellzug. Man fährt durch eine oft diesige Landschaft, die hauptsächlich der Elektrizitätsgewinnung zu dienen scheint. Und durch ein paar Städte, deren Namen die meistens Europäer wohl noch nie gehört haben: Wuxi, Changzhou, Zhenjiang.

Somewhere in China.

Somewhere in China.

Im Bahnhof werde ich von einer jungen Studentin in Empfang genommen, die mir das Hotel, einige erste Sehenswürdigkeiten und den Campus zeigt. Den offiziell schönsten Campus Chinas, wie man mir später sagt (ein Superlativ, unter dem mir vorher schon mindestens zwei weitere vorgestellt worden sind).

Bei der Besichtigung des berühmten „Garden of the Humble Administrator“ (拙政园) macht sich im ersten Moment bei mir etwas Enttäuschung breit. Denn was ich nicht einberechnet hatte: Im Gegensatz zu Nanjing liegt Suzhou auf den Reiserouten der großen nationalen und internationalen Touristengruppen. Es sind also nicht nur überall drei Mal so viel Menschen unterwegs, sondern auch Nepp und aggressives Verkaufsverhalten nehmen drastisch zu. In der Nähe des Gartens erwarten einen beim Aussteigen aus dem Linienbus schon ganze Schwadronen von Frauen (Männer habe ich keine gesehen), die versuchen, einem ein gefälschtes Ticket anzudrehen. Eine der Ticket-Soldatinnen hat uns von der Bushaltestelle den ganzen Weg bis zum Eingangstor begleitet, und es bedurfte statt einer freundlichen chinesischen Studentin eine um einiges grimmigere deutsche Dramatikerin, um die Dame dann endlich loszuwerden.

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The famous gardens of Suzhou - usually filled with international tourists and national art students.

The famous gardens of Suzhou – usually filled with international tourists and national art students.

Ganz anders gestaltet es sich dann aber am nächsten Tag im „Garden of the Master of Nets“ (网师园). Den zu finden, ist nicht ganz einfach – und wenn man, wie ich, unfreiwillig den Hintereingang wählt, kommt man für einen kurzen Moment in den engen Gassen dem Suzhouer Leben ohne Touristen sogar erstaunlich nahe.

Es bestätigt sich also eine alte Faustregel: Jede Sehenswürdigkeit in China, vor der ein Reisebus aus Platzgründen nicht parken kann, lohnt den Besuch.

Um einige der berühmten Kanäle Suzhous wiederum haben sich Restaurant- und Geschäftsstraßen angesiedelt. Die Art von Plastik-Historie, die in China so beliebt ist und bei der die Europäer gerne ein bisschen die Nase rümpfen, weil das ja unmöglich „echt“ oder „authentisch“ sein kann.

Anderseits sind dieselben Europäer oft auf der Suche nach einer klinischen Sauberkeit in Ambiente und Nahrung, die sich selbst mit einer noch so romantischen Vorstellung von der Vergangenheit wohl kaum verbinden lässt, weder in Asien noch in Europa.

Ich persönlich muss sagen, ich habe im Bereich der Plastikwelten schon Schlimmeres gesehen. Manche der Geschäfte an den Kanälen in der Nähe der Universität bieten ästhetisch durchaus ansprechende Produkte an – und es gibt viele schöne Plätze zum Ausruhen.

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A good place to have a boiling hot milkshake on a boiling hot day.

A good place to have a boiling hot milkshake on a boiling hot day.

Die erste Begegnung mit einem heißen Michshake habe ich auch schadlos überstanden (und das bei 28 Grad Außentemperatur!). Offensichtlich verhält es sich mit dem Milchshake so wie mit dem Bier und dem Kaffee auch: Man muss dazusagen, ob man das Getränk kalt oder heiß haben möchte. Das Bier kommt sonst meist mit Zimmertemperatur (mein Vater wäre begeistert) – und der Milchshake eben aus dem Kochtopf.

Inzwischen bin ich schon wieder auf dem Rückweg nach Nanjing, es ziehen wieder die diesigen Landschaften an mir vorbei und die freundliche Stimme aus dem Lautsprecher sagt an jeder Station: „WELCOME ON BOARD HARMONY“. Oder vielleicht „WELCOME ON BOARD, HARMONY“? Wer weiß. Besonders angespannt ist die Atmosphäre „ON BOARD“ allerdings nicht, die meisten Chinesen schlafen oder spielen auf ihren riesigen Smartphones herum. Nur die Ausländerin guckt sich die Berge und E-Werke der Gegend an.

Suzhou by night.

Suzhou by night.

 

 

 

Freizeit. 空儿。

Mein Terminplan in Nanjing ist nicht besonders eng gestrickt, deshalb habe ich zum Glück viel Zeit, einer meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen nachzugehen: anderen dabei zuzusehen, wie sie ihren Freizeitbeschäftigungen nachgehen. Und dafür bietet sich in China kaum ein anderer Ort so an wie der öffentliche Park(公园).

Auch in Nanjing gibt es unzählige Parks. Und natürlich gibt es den Xuanwu-See mit seinen Inseln und Grünanlagen.

Enjoying life in a duck on Xuan Wu Lake.

Enjoying life in a duck on Xuan Wu Lake.

Dort kann man in einer Ente (dem zentralen Bestandteil der Nanjinger Küche) und anderen Vehikeln Boot fahren, man kann picknicken, Kokosmilch aus frisch angestochenen, thailändischen Kokosnüssen trinken, zuschauen, wie andere ihre Hochzeitsfotos machen (sehr wichtig in China) oder gar ihre ganze Hochzeit feiern, Fleischspieße und kandierte Früchte essen oder auch bei McDonald’s (麦当劳) einkehren, denn amerikanisches Fastfood gibt es ja leider überall auf der Welt, also natürlich auch am Xuanwu-See. Man kann aber auch einfach den Kopfhörer aufsetzen und Musik hören oder sich verliebt gemeinsam über das Smartphone beugen.

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In the park (with smartphone).

In the park (with smartphone).

Es geht aber auch traditioneller, ohne digitale Technik. Noch immer gibt es eine Menge Menschen, die in die öffentlichen Parks kommen, um sich gegenseitig Opernarien oder andere bekannte Lieder vorzusingen (manchmal unterstützt von einem beeindruckenden Lautsprechersystem, denn es gibt eine Menge Konkurrenz, gegen die es anzusingen gilt), um ihre Vögel in kleinen Käfigen spazieren zu tragen, in überdachten Pavillions Gesellschaftstänze zu tanzen (auch westliche) oder gemeinsam Taichi, Aerobic oder auch Breakdance zu praktizieren.

Letzten Sonntag gab es sogar eine Kontaktbörse. Und das ganz ohne WeChat (微信), die Smartphone-App, ohne die in China sonst eigentlich praktisch gar nichts mehr geht.

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Sunday activities from singing to dating.

Sunday activities from singing to dating.

Außerdem wird nach wie vor viel gespielt, Brett- und Kartenspiele aller Art. Und kein Spiel in China ohne Zuschauer. Denn auch in der Freizeit – vor allem am Wochenende – ist es sehr schwer, etwas zu machen, das im selben Moment nicht auch noch ein „paar“ andere machen. Oder zumindest gleich machen wollen.

Und dann gibt es natürlich noch das Essen. Das richtige. Nicht das an einem Imbiss-Stand. Aber Essen ist in China so wichtig, dass es wohl ein eigenes Kapitel verdient. Deshalb zum Abschluss nur schnell noch etwas Süßes.

Traditional sweets (too sweet for me).

Traditional sweets (too sweet for me).

Gulou-Campus. 鼓楼校区。

Heute machen wir eine kleine Tour über den alten Gulou-Campus der Nanjing Universität (oder 南大), mitten im Zentrum von Nanjing, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Jiangsu.

Main entrance to Gulou campus, Nanjing University. Still with Mao's calligraphy on it.

Main entrance to Gulou campus, Nanjing University. Still with Mao’s calligraphy on it.

Als sogenannter „ausländischer Experte“ (für Theater, vermute ich mal) bin ich nicht wie die Studenten in einem der Wohnheime untergebracht, sondern ganz feudal im Nanyuan Hotel auf dem südlichen Campus-Gelände.

Meine Kurse finden auf dem anderen Campus statt, dem gigantischen Xianlin-Campus, der weit außerhalb liegt. Dort bringe ich chinesischen Studenten für ein paar Wochen die deutsche Theaterlandschaft näher und erkläre ihnen zum Beispiel, was eine Regieanweisung ist, wozu sie gut sein kann und warum sie dennoch in der Theaterpraxis oft gleich wieder gestrichen wird. Ich beantworte dringende Fragen und erläutere unter anderem, warum die deutschen Schauspieler so oft nackt sind und sich dabei mit Kuchen beschmieren (so die chinesische Meinung), was für ein Verhältnis Brecht zu seiner Heimatstadt hatte (und ich bin heilfroh, dass ich überhaupt wusste, welche das ist) und warum die Tickets für „Lion King“ so teuer sind. Im Ausland wird man recht schnell zum Experten für alles Mögliche.

Ich schreibe außerdem mit den Studenten ein kleines Stück zum Thema Wohnheim – denn da leben sie nun mal alle.

A typical dormitory on Gulou campus. (And it's 25 degrees today!)

A typical dormitory on Gulou campus. (And it’s 25 degrees today!)

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Am Anfang sind die Studenten zu sechst in einem Zimmer, im Master-Studium dann nur noch zu viert und während der Doktorarbeit zu zweit. Und das ist schon recht luxuriös, finden die Lehrer, denn die waren noch zu zwölft in einem Zimmer untergebracht und können sich das heute selbst nicht mehr so recht vorstellen.

Die alten Wohnheime haben noch keine Duschanlagen, weswegen man vor allem am frühen Abend unzählige Studenten sieht, die sich mit einem kleinen bunten Plastikkorb in der Hand Richtung Waschhaus aufmachen, um zu duschen und Haare zu waschen. Rucksäcke dürfen offenbar nicht mit rein.

Most of the dormitory rooms have no showers - so this is the common house of body wash and shampoo.

Most of the dormitory rooms have no showers – so this is the common house of body wash and shampoo.

Über den Campus verteilt gibt es unzählige Essensmöglichkeiten, Imbissbuden und kleine Geschäfte, besonders auf der Hankou Lu, die das Gelände in eine südliche und eine nördliche Häflte teilt. Und es gibt natürlich auch die Mensa (bzw. gleich drei davon).

Gegessen wird früh in China. Wenn ich Langschläfer um 8.30 Uhr zum Frühstück komme, sind die besten Baozi (gefüllte Teigklöße) schon abgegrast. Abendessen in der Mensa gibt es maximal bis sieben, dann ist Schluß und es wird ausgekehrt.

Food options.

Food options.

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Im nördlichen Teil des Campus liegen hauptsächlich Unterrichtsgebäude – und das Büro des Rektors, die vielleicht bekannteste Ansicht der Nanjing Universität.

Am Vormittag sind auf den Rasenflächen und den kleinen Parks kaum Studenten zu sehen (die sind dann im Unterricht), dafür aber Anwohner aus der Umgebung – und eine Menge stolze Großeltern, die auf dem Cricket-Platz unermüdlich dem Erben der Familiendynastie hinterherrennen, während die Eltern des Kindes unterrichten oder anderswo arbeiten sind.

The home of the dean - and some tireless grandparents minding their family's heir (and emperor).

The home of the dean – and some tireless grandparents minding their family’s heir (and emperor).

Ausländer gibt es auf dem Campus auch. Sogar recht viele, denn die Univerität ist bekannt für ihre Fremdsprachenabteilung. Die lernwilligen jungen Menschen sind allerdings nicht gemeinsam mit den Chinesen untergebracht, sie haben noch immer ihr eigenes Wohnheim.

Besonders erstaunlich ist es also wohl nicht, dass sich um dieses Wohnheim herum einige Kneipen und Restaurants angesiedelt haben, die im Falle von plötzlichen einsetzendem Heimweh Dinge anbieten, die man von zu Hause kennt. Brot zum Beispiel (sofern man denn ein Milchbrötchen als Brot bezeichnen möchte) – und Bier natürlich.

Und damit sind wir fast auch schon wieder bei mir am Hotel angekommen. Ich biege jetzt ab und verlasse das Universitätsgelände, denn ich will zu „Watson’s Drugstore“, wo ich eine Waffe zu kaufen gedenke. Gegen ein paar andere Bewohner des Campus: die verdammten Stechmücken.

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The habitat of 留学生, the foreign exchange students.

The habitat of 留学生, the foreign exchange students.

Nanjing. 南京。

Angekommen.

Trees in Nanjing - real ones and artificial ones. With cables instead of branches.

Trees in Nanjing – real ones and artificial ones. With cables instead of branches.

Seit ich aus dem Flugzeug gestiegen bin, habe ich in Nanjing vor allem drei Dinge getan: Ich habe meinen Jetlag ausgeschlafen, ich habe einen Vortrag an der Nanjing Universität gehalten – und ich habe jede Menge Plastikkarten erworben.

Fürs Hotelzimmer (mit Vouchern aus Papier fürs Frühstück im Nebengebäude), für die U-Bahn, für das gesamte Campusgelände. Nur für die Schwimmhalle wollten sie mir keine geben, dafür muss ich erst einen Gesundheitstest machen. Wenn ich durchfalle, muss ich dann leider das Spa im Westin Hotel in Anspruch nehmen, da braucht man kein Gesundheitszeugnis, nur Bargeld.

Bargeld ist hier bei uns auf dem Gulou-Campus in der Innenstadt nicht gefragt, man macht alles mit Karten (man erwirbt die Karten auch mit Karten), vom Essen über den Bibliotheksbesuch bis zum Einkaufen oder Duschen im öffentlichen Bade- und Duschhaus – wo ich als „ausländischer Experte“ nicht hinmuss, denn ich habe eine Dusche im Zimmer.

Was mich allerdings erstaunt, nach meinem letzten Winter in Beijing, wo selbst in der U-Bahn das Gepäck durchleuchtet wird: Es gibt keinerlei Sicherheitskontrollen auf dem Campus-Gelände (außer im Schwimmbad, offensichtlich). Scheinbar ist da was dran, dass das Land groß ist und die Hauptstadt – von hier aus betrachtet – weit weg.

Noch zwei Unterschiede fallen sofort ins Auge. Während ich letztes Jahr an einer der Ringstraßen Beijings wohnte (und man dort die Geräusche hörte, die man sich an einer Autobahn eben so vorzustellen hat), höre ich hier von meinem Zimmer aus eigentlich nur zwei Geräusche: Das Plop-plop der Bälle auf dem Tennisplatz nebenan – und das Schnarchen des „ausländischen Experten“, der über mir schläft. Also, ein Stockwerk höher. Wenn er im Schlaf dieselbe Sprache spricht wie tagsüber, ist er allerdings Chinese. Dementsprechend dann wohl eher ein „nationaler Experte“, dessen Ehefrau und Nachbarn nicht unbedingt zu Beneiden sind.

Und dann fällt noch etwas auf: Diese Stadt ist grün.

Es gibt unzählige Bäume, selbst im Zentrum, und irgendwie spiegelt sich die geschwungene Landschaft mit den kleinen Bergen und Seen im Stadtbereich auch in der sonst oft so kastenartigen chinesischen Architektur wider. Auch die ist etwas verspielter.

Xuanwu Lake, Nanjing. - A picture of a scenic site in China without another person on it taking a picture of the same spot? Impossible, I thought.

Xuanwu Lake, Nanjing. – A picture of a scenic site in China without another person on it taking a picture of the same spot? Impossible, I thought.

In den nächsten Tagen nehme ich euch dann mal mit zu einer kleinen Tour über den alten Gulou-Campus im Stadtzentrum – eine Welt für sich.

Heute verliere ich mich erstmal weiter im Stadtdschungel. Und schlafe den Rest meines Jetlags aus (hoffentlich).

Jungle Nanjing.

Jungle Nanjing.