Archiv für den Monat Oktober 2014

EPISODE 2: OFFENE FRAGEN (Hamburg-Altona).

Heute Mittag musste ich mich geschlagen geben. Das Reisefieber hat gesiegt, ich schaffe es nicht mehr, mich auf die Arbeit zu konzentrieren.

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Darüber, was meine „Arbeit“ als Dramatikerin eigentlich genau ist, gibt es ohnehin sehr viele, sehr unterschiedliche Auffassungen. Sie reichen von „Nichtstun“ und „Steuergelder hart arbeitender Bürger einstreichen“ über „echte Leute aus dem Fernsehen kennen“ zu noch viel glamouröseren Aktivitäten, die mir jetzt und hier leider nicht einfallen wollen.

Ich sehe aber keinen Grund, der Gerüche-Küche Einhalt zu gebieten – deshalb sei nur so viel verraten: In einem Punkt haben die Nörgler Recht. Das Schreiben spielt im Dramatikeralltag tatsächlich eine untergeordnete Rolle. Das war aber schon immer so und ist nicht etwa erst durch das Verschwinden des Autors aus dem Theaterbetrieb eingeläutet worden.

Und dieses Verschwinden hat ja durchaus sein Gutes: Denn abwesend sein kann ich wunderbar auch in der Volksrepublik China.

Daher röhrt die Waschmaschine nun vor sich hin, und ich beschäftige mich mit den letzten offenen Fragen vor der Abreise:

– Brauche ich diese Karaoke-App wirklich?

– Was passiert, wenn ich die SIM-Karte aus meinem altersschwachen Telefon herausnehme und in den 1-Euro-Nachfolger einfüge? Gehe ich dann digital verloren?

– Sollte ich die Zeit vielleicht lieber nutzen, mir zu Übungszwecken noch ein Video mit Xi Yang Yang, dem vielleicht berühmtesten Schaf Asiens (und ganz sicher dem mit der nervigsten Stimme) anzusehen?

– Und wo ist denn der Notfallblock mit meinen wichtigsten Sätzen schon wieder hin? – Ah, da. Gott sei Dank.

Ich habe mich verlaufen. – 我 迷 路 了。

Ich verstehe nicht ein Wort. – 我 听 不 懂。

Nein, tut mir leid, ich schreibe bloß Stücke, ich arbeite leider nicht für Rimini Protokoll. – 我 很 抱 歉,我 只 写 剧 本, 我 不 为 Rimini Protokoll 工作。

Fragen über Fragen.

Ich glaube, ich mache doch erst mal das Puzzle mit den Minderheiten-Aufklebern fertig, das ich von der letzten China-Reise mitgebracht habe. Morgen wird gepackt und Samstagfrüh geht’s los.

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Episode I: WIR ÜBEN NOCH (Hamburg-Altona).

In einer Woche geht es los.

Keine Ahnung, wann ich angefangen habe, diese China-Reise zu planen: Der genaue Startschuss ist irgendwie in meinem wilden Dramatiker-Alltag (also zwischen dem Ausfüllen diverser Anträge und Online-Formulare) verlorengegangen.
Es kommt mir jedenfalls wie eine Ewigkeit vor.

Aber nun rückt das Datum der Abreise tatsächlich näher, und ich fange an zu packen und zu putzen (zumindest mental).

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Auch im Chinesisch-Unterricht sind wir vom strikten Lehrplan abgewichen und haben die Abenteuer von Ma Dawei beim Beantragen seines Bibliotheksausweises, Besteigen berühmter Berge und Heiraten der entfernten Cousine seines Zimmergenossen für eine Weile zur Seite gelegt.
Stattdessen sind wir zu einer Art Notfallplan übergegangen: Was tun, wenn man in China tatsächlich mal Chinesisch sprechen muss. Zum Beispiel beim Einkaufen, beim U-Bahn- und Busfahren, beim Ersteigern des weltbesten Rabattes oder wenn der Taxifahrer partout nicht dahin fahren will, wo man selbst hinmöchte.

Mit anderen Worten: Wir üben noch.

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Ich bin aber optimistisch und fast sicher, mit meinen ersten Sätzen ebenso viel Applaus zu ernten wie Herr Zuckerberg bei seinen – denn ich kann sogar ein Tang-Gedicht aufsagen. Was ich in jeder Situation, die meine Sprachkenntnisse übersteigt, auch konsequent zu tun gedenke.

Also: Ab nächste Woche erwacht der Blog wieder zum Leben.
Es geht zunächst nach Beijing.

Wer dank der Bilder nun einen Food-Blog erwartet, der sei schnell noch beruhigt.
Ich kann nicht kochen, nur essen. Mit Rezepten und sonstigen Essensweisheiten ist also nicht zu rechnen.